Lochkamera

Eingefrorene Augenblicke
Es war weniger Nostalgie als vielmehr die Suche nach Einfachheit, die mich zur Lochkamerafotografie führte. Ich verwendete einen Schuhkarton oder den Pappkarton einer Whiskyflasche, um meine rudimentären Kameras zu bauen, indem ich ein mikroskopisch kleines Loch hineinstach, um Licht hindurchzulassen. Die Negative wurden anschließend gescannt und digital koloriert.
Lochkamerafotografie ist vor allem eine Kunst der Geduld. Die Belichtungszeiten variieren zwischen 30 Sekunden und zwei Stunden. Wir sind weit entfernt vom entscheidenden Moment und der 500stel Sekunde, vor der der Moment nicht da ist und nach der er vergangen ist. Und doch sind diese Momente genauso viele Fragmente eines Lebens, manche davon von großer Bedeutung. Eingefrorene Augenblicke. Die meisten dieser Fotografien haben den Vorbeigang mindestens einer Person festgehalten. Manche sind wahrnehmbar, fast erkennbar. Andere zogen vorbei, zogen wieder vorbei, verweilten eine Weile, aber ließen sich nicht von der kleinen Blendenöffnung einfangen. Was bleibt, sind die Minute, die Stunde oder die zwei, die so viel bedeutet haben, obwohl sie nicht gemessen wurden.
Meine Bildboxen entstehen empirisch, ohne jegliche Berechnungen. Obwohl ich ihr Verhalten im Licht kenne, genieße ich es sehr, wie sie mich überraschen und Unvorhergesehenes offenbaren. Ich liebe es, wenn sie mir in der Stille der Dunkelkammer bestätigen, dass dieser Moment es wert war, festgehalten zu werden.
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